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       Rückblick Uetiker Frühlingsmarkt
 

Gleichgültigkeit und Angst
Am Frühlingsmarkt auf dem Areal des Hauses Wäckerling hat der Gemeinderat die Kampagne "Mir ischs nöd egal" erstmals öffentlich vorgestellt. Er tat dies nicht nur hinter dem Stand, sondern diskutierte mit der Bevölkerung, was Ziel dieser Aktion ist. Zwei Schauspieler provozierten mit ihrem Verhalten die Marktbesucher bewusst.

Es war eindrücklich, das kann schon vorweg festgehalten werden, wie gleichgültig die Menschen auf die Provokationen der Schauspieler reagierten. Aber wie kam es dazu? Bei der Vorbereitung des ersten öffentlichen Anlasses zur Kampagne "Mir ischs nöd egal" stellte sich der Gemeinderat die Frage, wie die Bevölkerung auf die Anliegen aufmerksam gemacht werden kann.

 
     
                   
     
 

Herausforderung annehmen
Der Entscheid, die Kampagne mit provozierenden Aktionen bewusst zu machen, war gewagt. Die Alternative lag darin, mit einer ganz "braven" Standaktion am Frühlingsmarkt präsent zu sein. Der Gemeinderat hat sich für die herausfordernde Variante entschieden – zu Recht, wie die Erkenntnisse zeigen. Die von der Theaterfalle Basel engagierten Schauspieler, eine Dame und ein Herr, mischten sich unauffällig unter das Marktpublikum. Rücksichtslos verschafften sie sich Zugang zu Marktständen, scheuten sich nicht, andere Besucher anzurempeln und wegzustossen oder sie gar verbal zu attackieren.

 

Gleichgültigkeit und Toleranz
Die überwiegende Mehrheit des Publikums liess geschehen, was die Schauspieler inszenierten. An einem Gemüsestand beispielsweise biss der vermeintliche Käufer in eine rotbackige Tomate und gestand: "Isch die gruusig!" und überreichte den Liebesapfel seiner Kollegin. Nach dem beide probiert hatten, legten sie die angebissene Tomate zurück zum schön angepriesenen Gemüse. Wer glaubte, dass die beiden Verkäufer oder andere Marktbesucher am Stand die beiden Schauspieler für deren ungehöriges Vorgehen zur Rede stellen würde, sah sich getäuscht. Klammheimlich entsorgten die Gemüseverkäufer die angebissene Tomate unter ihrem Stand.

Auch die Mutter von zwei Kindern liess über sich bzw. ihre Kinder geschehen, was der arrogante Schauspieler wollte: Er drängte sich vor, schubste die Kinder zur Seite und begann selbst mit dem Ball zu werfen. Erst als er begann, neben den Bällen auch die als Belohnung für Treffsicherheit gedachten Preise zum Zielwurf zu verwenden, schritt die verantwortliche Person am Stand ein. Ist das noch Toleranz?

 

Spürbare Angst
Viele Menschen, die angesprochen und gefragt wurden, weshalb sie nicht einschreiten und offensichtlich ungebührliches Verhalten zur Sprache bringen würden, gaben an, sie hätten oft Angst. Am Frühlingsmarkt erhärtete sich die Vermutung, dass heute viele Menschen Repressionen befürchten und deshalb eine offensichtliche Verletzung von geschriebenen und ungeschriebenen Regeln hinnehmen.

Es wurde aber ebenso deutlich spürbar, dass sich dahinter auch eine Ohnmacht versteckt: Man nimmt Fehlverhalten mit der Faust im Sack hin, akzeptiert dieses aber nicht. Würde sich diese Tendenz fortsetzen, wäre das ein Freipass für alle Personen, die sich nicht an die Regeln eines auf Respekt und Rücksicht ausgerichtetes Zusammenleben hielten. Das darf nicht sein.

 

Wie soll ich mich verhalten?
Es gab sehr eindrucksvolle Beispiele, wie ein Regelverstoss aufgegriffen, die fehlbaren Personen direkt angesprochen und auf ihr untolerierbares Handeln aufmerksam gemacht werden können – aber es waren Ausnahmen. Der Gemeinderat und die Projektgruppe "Mir ischs nöd egal" werden im zweiten halben Jahr die Stärkung der Zivilcourage thematisieren. Geplant sind Referate und Veranstaltungen zu diesem Thema. Ziel ist es, den Menschen Mut zu machen, einzuschreiten, zu handeln, hin- statt wegzuschauen. Die Schule hat Anfang 2004 bereits einen Vortrag zum Thema "Grenzen" organisiert. Es ist für die Behörden wichtig, Themen wie Rücksicht, Respekt und Toleranz bei allen Bevölkerungskreisen, bei Eltern und Kindern zur Sprache zu bringen.

 
     
   
     
"mir ischs nöd egal" ist eine Aktion der Gemeinde Uetikon am See